FLEISCHKONSUM
A. Warum wir den Konsum tierischer Produkte drastisch reduzieren müssen
In den letzten 50 Jahren hat sich die globale Fleischproduktion gut vervierfacht: gut 330 Millionen Tonnen im Jahr 2019 - Tendenz steigend. Die Folgen reichen von Klimawandel über Artensterben bis hin zu Hunger und Wasserknappheit.
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) erwartet einen Anstieg auf 455 Millionen Tonnen jährlich bis 2050. Besonders viel Fleisch wird in den westlichen Industriestaaten verzehrt. Verantwortlich hierfür sind der wachsende Wohlstand in diesen Nationen, aber auch die durch Massentierhaltung ermöglichten niedrigen Fleischpreise. So akzeptieren Verbraucher*innen heutzutage mit dem Konsum von tierischen Produkten zwangsläufig, dass Tiere reine Produktionsgüter sind. Dies hat Folgen sowohl für den Klimawandel als auch für die Artenvielfalt.
Wer sich an einem durchschnittlichen Tag morgens mal eben sein Brötchen mit Schwarzwälder Schinken belegt, mittags in der Kantine Wiener Schnitzel isst und abends nochmal um die Ecke einen Burger essen geht, ist sich oft nicht bewusst, dass sein Essverhalten Teil eines großen globalen Problemkomplexes ist.
B. Auf die Haltung kommt es an
Die riesigen Mengen an Methan, die von Nutztieren ausgestoßen werden, sind davon lediglich ein kleiner Teil – wenn auch ein schwerwiegender. Denn Methangas ist weitaus schädlicher für das Klima als Kohlendioxid: es heizt die Atmosphäre über 20-mal so stark auf wie CO2. An sich wäre die Kuh jedoch kein „Klima-Killer“, wie ihr oft nachgesagt wird. Bei der Haltung auf der Weide verändert sich die Klimabilanz von Rindfleisch, da diese Haltungsform zum Erhalt von Weiden beitragen kann. Unter Wiesen und Weiden, besonders unter artenreichen, wird Kohlenstoff gespeichert, wenn abgestorbene Pflanzenmasse, zum Beispiel Wurzeln von Mikroorganismen zu Humus umgewandelt werden. Dadurch wird der Atmosphäre Kohlenstoff entzogen.
Es geht also vielmehr um die Haltungsform und die unzähligen erweiterten Faktoren von Fleischkonsum und -produktion, die bei der Klimabilanz von Fleisch in Betracht gezogen werden müssen. Dazu gehören der Energieaufwand für Kühlung und Erhitzung von Fleisch, die Treibhausgase, die bei der Erstellung von Gebäuden für die Zuchttiere entstehen, oder die Transportkosten für Tierfutter.
45 Prozent der Emissionen aus dem Bereich der Viehzuchtstammen laut Schätzungen der FAO aus der Verarbeitung und Produktion von Futtermitteln und 39 Prozent aus der Verdauung (enteriche Fermentation) der Wiederkäuer (Fleischatlas 2021).
C. Ressourcenverbrauch für ein Kilogramm Fleisch
Bis ein Tier als Steak oder Wurst auf unseren Tellern liegt, wurden enorme Massen an Ressourcen wie Land, Wasser, Energie und Getreide verbraucht. Ein Viertel der eisfreien Erdoberfläche wird laut FAO inzwischen für die Viehwirtschaft genutzt. Dazu zählen riesige Gebiete im Amazonaswald, die eigens für die Nutztierhaltung abgeholzt wurden – und immer noch werden. Die Rodung solcher Wälder stellt unter anderem eine große Bedrohung für die Artenvielfalt dar. Entstehende Monokulturen führen zu Bodenerosion. In jedem Kilo Rindfleisch stecken beispielsweise 6,5 Kilogramm Getreide, 36 Kilogramm Rauhfutter. In Deutschland wird die Hälfte des geernteten Getreides für die Ernährung von Tieren genutzt. Die gestiegene Nachfrage nach Futtermitteln hat dabei schon jetzt für erhöhte Preise bei Grundnahrungsmitteln gesorgt.
Über zwei Drittel der landwirtschaftlichen Klimagase stammen laut Studien aus der Tierhaltung. Um die Landwirtschaft klimaverträglicher zu machen, müsste also die Erzeugung von Fleisch- und Milchprodukten reduziert werden, folgert Foodwatch. Eine Forderung, die sich ohne das Engagement der Verbraucher*innen kaum durchsetzen lässt.
D. Bioqualität im Vorteil
Bio-Bauern haben meist eine deutlich günstigere Klimabilanz als ihren konventionell wirtschaftenden Kollegen: Zwar schlägt sich Milch und Käse in Bioqualität nur geringfügig besser, doch Bio-Schweinefleisch belastet das Klima um ein Drittel weniger als konventionelles. Ökoweizen verursacht im Vergleich zu konventionell angebautem nur die Hälfte an Treibhausgasen. Fazit: Die ökologische Landwirtschaft emittiert rund ein Fünftel weniger Treibhausgase als die konventionelle. Ein beachtlicher Wert, wenn man bedenkt, dass Ackerbau und Viehzucht hierzulande für bis zu sieben Prozent des gesamten Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich sind. Besonders der Aufbau von Humus durch eine Fruchtfolge mit vielen verschiedenen Kulturarten, unter anderem Leguminosen wie Bohnen oder Linsen trägt zu dem positiven Ergebnis des Ökolandbaus bei. Auch die Weidehaltung wirkt sich positiv aus.
Für eine klimafreundliche Ernährungsweise braucht es gar nicht viel: Weniger tierische, dafür mehr pflanzliche Lebensmittel auf den Speiseplan setzen. Frische Produkte mit nur geringem Verarbeitungsgrad kaufen, Tiefkühlkost meiden. Obst und Gemüse saisonal einkaufen, Freilandware bevorzugen. Regionale Erzeugnisse auswählen, per Flugzeug importierte Nahrungsmittel im Supermarktregal liegen lassen. Und vor allem: Die Einkäufe zu Fuß oder per Fahrrad erledigen.
Übung 1.
In welchem Abschnitt handelt es sich um...
1. ...die Bedingungen, unter welchen man sich auf eine klimafreundliche Ernährungsweise umstellt? ___
2. ...die unzähligen erweiterten Faktoren von Fleischkonsum und -produktion? ___
3. ...die Statistik bezüglich des Fleischkonsums? ___
4. ...um die Abstammung zwei Drittel der landwirtschaftlichen Klimagase? ___
Übung 2.
Beantworten Sie die Fragen.
1. Wie hat sich die globale Fleischproduktion in den letzten 50 Jahren verändert?
2. Was ist schädlicher für das Klima als Kohlendioxid?
3. Welche Ressourcen werden verbraucht, bis ein Tier als Steak oder Wurst auf unseren Tellern liegt?
4. Weche Industrien sind bis zu sieben Prozent des gesamten Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich?
Schriftliche Aufgabe.
Teilen Sie sich in zwei Gruppen auf. Gruppe A soll einen Aufsatz zur Befürwortung des Fleischkonsums schreiben und ihre Position begründen. Gruppe B hingegen kritisiert den Fleischkonsum und rechtfertigt ihre Meinung. Der Aufsatz soll 160-200 Wörter umfassen.
Hilfreiche Redemittel
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